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Zusammenfassung der 4. Internationalen Konferenz zur Sensitivitätsforschung

2. Oktober 2026 - Von Alessandra Peluzzi, Professorin Francesca Lionetti, Professor Michael Pluess

Über die Autoren

Alessandra Peluzzi ist Doktorandin und beschäftigt sich mit den physiologischen Korrelaten sensibler Phänotypen.

Professor Lionetti ist Entwicklungspsychologe mit Fachkenntnissen in den Bereichen Elternschaft, sozio-emotionale Entwicklung und Umweltempfindlichkeit.

Professor Pluess ist Entwicklungspsychologe und einer der führenden Autoren auf dem Gebiet der Umweltempfindlichkeit.

Zusammenfassung

Vom 19. bis 20. Juni 2026 war die Universität Pavia Gastgeber der 4. Internationalen Konferenz zur Sensitivitätsforschung. Über 270 Teilnehmer aus aller Welt diskutierten darüber, wie Sensitivität die Entwicklung, die psychische Gesundheit und die Reaktionen auf alltägliche Umgebungen prägt und wie dieses Wissen dazu beitragen kann, Bildung, Arbeitswelten und psychologische Betreuung zu verbessern.

Vom 19. bis 20. Juni 2026 war die historische Universität Pavia in Italien Gastgeber der 4. Internationalen Konferenz zur Sensitivitätsforschung. Die Veranstaltung wurde von führenden Persönlichkeiten auf diesem Gebiet – Francesca Lionetti, Michael Pluess und Corina Greven – gemeinsam mit einem lokalen Team bestehend aus Alessandra Peluzzi, Vita Keil, Antonia Thrams und Gabriela Bodale organisiert.

Mehr als 270 Menschen aus aller Welt nahmen persönlich oder online teil, darunter Forscher, Studierende, Psychologen, Pädagogen und andere Fachleute, die durch ihr gemeinsames Interesse an Umweltempfindlichkeit verbunden waren – einer Eigenschaft, die Menschen anfälliger für belastende und überwältigende Erlebnisse macht, sie aber auch empfänglicher für gute Beziehungen, positive Umgebungen und unterstützende Maßnahmen.

Die Konferenz bot die Gelegenheit, aktuelle Forschungsergebnisse vorzustellen, sich mit neuen Fragestellungen auseinanderzusetzen und die internationale Zusammenarbeit in diesem wachsenden Forschungsbereich zu stärken – mit anderen Worten: ein positives Umfeld, in dem sich die Forschung entfalten kann.

Sensibilität und psychische Gesundheit

Der erste Tag begann mit einem Grundsatzvortrag von Prof. Michael Pluess zum Thema Sensibilität und psychische Gesundheit. Eine zentrale Botschaft lautete, dass Sensibilität nicht einfach nur eine Schwäche ist: Ihre Auswirkungen hängen vom Zusammenspiel zwischen individuellen Merkmalen und der Qualität des Umfelds ab. In positiven Umfeldern kann sie daher eine Stärke sein.

In den nachfolgenden Vorträgen wurde diese Wechselwirkung weiter beleuchtet. Inwiefern beeinflusst die genetische Sensibilität die Reaktionen auf psychosoziale Erfahrungen in der Kindheit? Wie können achtsamkeitsbasierte Interventionen hochsensible Menschen unterstützen? Dies waren einige der Themen, die unter Mitwirkung von Prof. Neus Vidal Barrantes und Dr. MacKenzie Trupp erörtert wurden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse verlagerten Dr. Jimmy Bordarie, Prof. Véronique De Gucht, Dr. Kato Colombet und Jessica Twomey den Schwerpunkt auf empirische Erkenntnisse zu Sensibilität, Anpassung an die Arbeit und Zukunftsplanung.

Zwar ergab jede Frage eine eigenständige Antwort, doch zeichnete sich ein roter Faden ab: Es ist von entscheidender Bedeutung, die Bedingungen zu ermitteln, unter denen Sensibilität das Risiko für emotionale Schwierigkeiten erhöhen kann, sowie jene, unter denen sie das Wohlbefinden, die Sinnfindung und eine positive Entwicklung fördern kann.

Erstes Symposium: Vom Säuglingsalter bis zum Erwachsenenalter

Das von Prof. Francesca Lionetti geleitete Symposium konzentrierte sich auf die Umweltsensibilität im Verlauf der Entwicklung. In den Vorträgen wurde untersucht, wie Sensibilität bei Säuglingen beobachtet, bei Kindern im Vorschulalter beurteilt wird und wie sie sich in der frühen Adoleszenz entwickelt. Weitere Forschungsergebnisse zeigten auf, wie emotionale Reaktionsfähigkeit, die gemeinsame Regulierung zwischen Eltern und Kind sowie wichtige psychologische Ressourcen sensiblere junge Menschen vor internalisierenden Problemen schützen können.

Insgesamt zeigen diese Studien, warum ein entwicklungsorientierter Ansatz unerlässlich ist: Sensibilität mag zwar schon früh ihren Ursprung haben, doch ihre Ausprägung entwickelt sich parallel zur kindlichen Entwicklung weiter, während Kinder neue kognitive, emotionale und selbstregulatorische Fähigkeiten erwerben und sich in unterschiedlichen familiären, schulischen und sozialen Umfeldern zurechtfinden.

Zweites Symposium: Selbstregulierung und neurologische Entwicklung

Unter dem Vorsitz von Prof. Corina Greven befasste sich dieses Symposium mit dem Thema Sensibilität im Zusammenhang mit Selbstregulierungsprozessen, ADHS und Autismus. Gemeinsame Merkmale und Unterschiede auf der Grundlage der verfügbaren empirischen Erkenntnisse wurden ausführlich erörtert. Darüber hinaus wurde die Selbstregulierung als ein zentraler Mechanismus hervorgehoben, der es sensiblen Personen ermöglicht, den täglichen emotionalen und sensorischen Reizen effektiv zu begegnen.

Durch die Klärung der Abgrenzungen zwischen Sensibilität und diesen neurologischen Entwicklungsstörungen trug das Symposium dazu bei, Verwirrung zu vermeiden und eine maßgeschneiderte Unterstützung zu fördern. Es wurde jedoch auch deutlich, dass noch viel zu tun bleibt, um unser evidenzbasiertes Verständnis zu vertiefen.

Vorträge und Postersession: Erkundung der Bandbreite des Fachgebiets

Einzelvorträge und Posterbeiträge erweiterten die Diskussion um zahlreiche zentrale Themenbereiche – von der Reizüberflutung bis hin zu den Arbeitsbedingungen, von der Motivation bis hin zum autobiografischen Gedächtnis und zum Zukunftsdenken –, was die derzeitige Vielfalt des Fachgebiets widerspiegelte.

Ein Schwerpunkt lag auf der Messung der Sensibilität, insbesondere im Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Einführung der „Highly Sensitive Person Scale Revised“ (HSP-R), einer verfeinerten und weniger verzerrten Version des bekannten ursprünglichen Instruments. Die Forscher passten die Skala an und validierten sie über verschiedene Länder, Kulturen und Altersgruppen hinweg. Der Fokus lag jedoch nicht ausschließlich auf selbstberichteten Messwerten, da sich eine wachsende Zahl von Studien mit physiologischen und neuronalen Markern befasste.

Die Kombination von Fragebögen mit objektiveren Messmethoden stellt einen entscheidenden Meilenstein für dieses Forschungsgebiet dar. Durch die Verknüpfung dieser beiden Ansätze können Wissenschaftler ein genaueres Verständnis dafür gewinnen, wie sich Sensibilität im Alltag manifestiert.

Von der Forschung zur psychologischen Praxis

Der zweite Tag war der Verknüpfung der während der Konferenz erörterten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Erfahrungen und praktischen Anforderungen der Fachkräfte gewidmet. Unter der Leitung von Dr. Elena Lupo konzentrierte sich ein praxisorientierter Workshop auf die Begleitung hochsensibler Menschen in Therapie und Beratung.

Die Teilnehmer diskutierten, wie man Sensibilität von psychischen Erkrankungen unterscheiden kann, wie man mit individuellen Unterschieden in der Reaktion auf eine Behandlung umgeht und wie man Verständnis vermitteln kann, ohne Sensibilität als Schwäche oder als besondere Fähigkeit darzustellen.

Implikationen für die Öffentlichkeit

Die Botschaft der4. Internationalen Konferenz zur Sensitivitätsforschung ist eindeutig: Sensitivität ist weder ein Nachteil noch ein Vorteil, sondern schlichtweg eine menschliche Realität. Das Erkennen individueller Unterschiede in der Sensitivität gegenüber der Umwelt kann Familien, Schulen, Arbeitsstätten und klinischen Einrichtungen dabei helfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die unnötige Reizüberflutung reduzieren und die emotionale Regulierung sowie die Teilhabe fördern.

Gleichzeitig sollte „Sensibilität“ nicht als starres Etikett verwendet werden. Zukünftige Forschungsarbeiten müssen klären, wie sich diese Eigenschaft entwickelt, wie sie am besten gemessen werden kann und wie sie die Reaktionen der Menschen auf Umwelteinflüsse beeinflusst.

Da sich die Sensitivitätsforschung zunehmend in eine entwicklungsorientierte, interdisziplinäre und anwendungsbezogene Phase bewegt, möchten wir unsere Leser dazu ermutigen, sich im Tagungsband mit den Einzelheiten der Beiträge vertraut zu machen und an der nächsten Konferenz teilzunehmen!

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